Wasser für Kibakwe

 

   Projektbeschreibung

 

Gesundes Trinkwasser für 10.000 Menschen in Kibakwe/Tansania

 

Stand 25.10.2014

 

 

Gliederung:

 

1. Technische Fragen

1.1 das vorhandene Wasserangebot

1.2 die vorhandene Verteilstruktur des öffentlichen Netzes

1.3 die zukünftige Trinkwasserbereitstellung

1.4 das zukünftige Verteilnetz und die zukünftige Teilmengenstruktur

 

2. Gesellschaftliche, rechtliche und finanzielle Fragen

2.1 die kirchliche Ebene

2.2 die politische Ebene

2.3 die zuständigen Behörden

2.4 zukünftige Organisations- und Finanzstruktur

2.5 Bildungsarbeit

 

3. Meilensteine des Projektes

 

 

 

  1. Technische Fragen

 

  1. Vorhandenes Wasserangebot

 

Das Dorf Kibakwe, ca. 400 km westlich von Dar es Salaam, hat im Hauptort ca. 8.000 EinwohnerInnen (nach der Volkszählung 2011 offiziell 9.574 E; doch dies ist nach Angaben tansanischer Fachleute unglaubwürdig). Daneben gehören drei weitere Orte mit insgesamt ca. 10.000 EinwohnerInnen zur politischen Gemeinde Kibakwe. Der Hauptort liegt in einem semi-ariden Talkessel (Halbwüste) am Rande eines Gebirgszuges. Die Menschen leben von Land- und Viehwirtschaft, Dienstleistungen für die kleineren Nachbardörfer und ein Teil der Männer arbeitet bei Diamantenschürfungen im Raum Mpwapwa.

 

Für die Wasserversorgung gibt es seit langem eine ca. 4 km lange Rohrleitung zu einer ca. 250 Meter höher liegenden Quellfassung, aus der nach Angaben  des örtlichen Wasserkomitees (es gab bisher keine Wasseruhren) in der Trockenzeit ca. 40.000 Liter pro Tag gewonnen werden können. Geschätzte 50-70 % dieses Wassers geht an die Bevölkerung, 20-40% werden für Viehtränken und ca. 10% werden für die  Pflanzenbewässerung genutzt (die Angaben des Wasserkomitees schwanken stark!). Durchschnittlich stehen jedem Menschen in der Trockenzeit heute also nur 2-3 Liter Wasser in Trinkwasserqualität aus dem öffentlichen Versorgungsnetz pro Tag zur Verfügung und durch die ungleiche Verteilung müssen viele Frauen und Kinder in der Trockenzeit bis zu 10 Stunden täglich – teilweise in der Nacht - unterwegs sein, um eine Mindestmenge Wasser in trinkbarer Qualität zu bekommen.

 

Seit dem 09.102014 haben wir Wasseruhren in das Verteilnetz eingebaut und jetzt erfahren, dass zurzeit (am Ende der Trockenzeit!) täglich durchschnittlich x m³ Wasser aus der Quell-Leitung ins Verteilnetz fließen. Es gibt somit zwei Hauptursachen für den Wassermangel:

  • Das vorhandene Wasserverteilnetz hat wegen völlig ungenügender Instandhaltung erhebliche Leckagen.
  • Es gibt ca. 25 private Wasserabnehmer im Ort, die über viel Wasser Wasser u.a. für den Gartenbau verfügen, während die „Normalbevölkerung“ stundenlang für wenig Wasser an den öffentlichen Wasserstellen anstehen.

 

Als Konsequenz aus diesem aktuellen Wissen hat sich der Schwerpunkt des Projektes vom Brunnenbohren auf die Sanierung des vorhandenen Netzes und den Aufbau einer Wassergenossenschaft, die die Wasserverteilung zukünftig gerechter gestaltet und das Netz in Stand hält, verschoben (dazu später mehr).

 

Neben der öffentlichen Versorgung gibt es private Brunnen zur Eigenversorgung eines katholischen Klosters, mehrere kleinere oberflächennahe Brunnen von Privatpersonen, die das Wasser zu hohen Preisen verkaufen, die sich die Normalbevölkerung nicht leisten kann und hygienisch sehr bedenklichen Wasserschürfstellen in den im Sommer trocken fallenden Bachläufen. Diese Wasserangebote werden in der Betrachtung des Zukunftssystems nicht berücksichtigt. Auch wird zurzeit nicht auf die Nebenorte von Kibakwe eingegangen - wenn die Wasserversorgung für die 10.000 Menschen im Hauptort befriedigend gelöst ist, kann evt. ein weiteres Projekt bei den drei Nebenorten entstehen.

 

  1. die vorhandene Verteilstruktur des öffentlichen Netzes

 

Über das Verteilnetz gab es bisher keine Pläne, technische Beschreibungen und Mengenbilanzen und wir haben um Mai 2014 eine umfangreiche Bestandsaufnahme gemacht. Im Ort gibt es ca. 70 Wasserentnahmestellen, von denen ca. 40 in Betrieb sind:

  • ca. 25 liegen auf Privatgrundstücken und die Eigentümer zahlen pauschal 10.000 – 20.000 Tansanische Schilling und verkaufen das Wasser teilweise weiter an Dritte)
  • an ca. 15 Stellen gibt es öffentliche Abgabestellen bzw. teilweise wurde die im Boden verlegte Leitung „illegal“ geöffnet und aus dem Loch wird das Wasser entnommen.

 

Offensichtlich gibt es heute bei der Verteilung erhebliche Ungerechtigkeiten: Während die Kinder der Grund- und Ganztags-Sekundarschule überhaupt kein Wasser haben, weil das Schulgelände höher liegt und dadurch der statische Druck im System nicht ausreicht, ist eine Viehtränke im Tal in Betrieb. Wenn Frauen und Kinder üblicherweise viele Stunden teilweise auch spätabends anstehen, um die im Ort üblichen 20-Liter-Kanister („Bucket“) gefüllt zu bekommen, haben einige Grundstückseigentümer gut bewässerte Gärten und relativ viel Vieh.

 

Mit dem wenigen vorhandenen  Wasser wird sehr sorglos umgegangen und das existierende Wasserkomitee erfüllt seine Aufgabe schlecht. Die Einnahmen für die zugelassenen Privateinnahmen fließen in den Gemeindehaushalt während der für das Netz zuständige Wassertechniker kein Geld für notwendiges Rohrsanierungsmaterial bekommt. Wir haben ein Beispiel erlebt, wo ein Wasserhahn gestohlen wurde und seit fünf Monaten das Wasser in dieser Stelle ungenutzt in den Boden versickert, während an anderen Stellen im Ort kein Wasser ankommt.

 

  1. die zukünftige Trinkwasserbereitstellung

 

Auf Basis eines Ende 2013 angefertigten hydrogelogischen Gutachtens wurde im Mai 2014  durch die Firma einem katholischen Orden gehörende CPPS (Geschäftsführer Father Tim) eine Bohrung erfolgreich niedergebracht, die nach dem derzeitigen vorläufigen Ergebnis 3 m³ pro Stunde Trinkwasser liefern kann. Daneben gibt es 1,5 km vom Ortskern entfernt einen vom Staat (District Mpwapwa) im Jahr 2011 gebohrten Brunnen, der wegen Geldmangel nicht fertig gestellt wurde und jetzt im Rahmen unseres Projektes in das geplante neue Netz integriert werden soll. Seit Ende September 2014 liegen die Ergebnisse von ausführlichen Pumpversuchen für die beiden Brunnen vor, wonach beim „Church Well“ voraussichtlich im Mittel 3 m³/h abgepumpt werden kann (Schwankungsbreite der Abschätzung 2-4 m³) und beim „District Well“ voraussichtlich nur 1-2 m³ abgepumpt werden kann. Da aber von der Quell-Leitung erheblich mehr Wasser kommt als bisher angenommen (siehe Kap. 1.1.) werden wir voraussichtlich unser Ziel erreichen, dass zukünftig für jeden Menschen in Kibakwe mindestens 20 Liter pro Tag zur Verfügung stehen (10 Liter für Zwecke in Trinkwasserqualität und 10 Liter für Vieh und Gartrenbewässerung).

 

  1. das zukünftige Verteilnetz und die zukünftige Abnahmestruktur

 

Wir haben gegenüber der Dorfgemeinschaft[1] betont, dass unsere Unterstützung für die Verbesserung der Trinkwassersituation in Kibakwe zwingend davon abhängt, dass es zukünftig eine gerechte Verteilung des Wassers gibt und dass jeder Mensch in diesem Ort auch in der Trockenzeit genügend Wasser in Trinkqualität (Trinken, Kochen, Hygiene) bekommt. Von der Dorfgemeinschaft wurde bestätigt, dass es dringend nötig wäre, das vorhandene Wassernetz neu zu ordnen und umzubauen, um eine bessere und gerechtere Verteilung des Wassers zu erreichen – auch wenn es bei der Neuordnung mit an jeder Abnahmestelle eingebauten Wasseruhren (und Gebührenabrechnung über diese Uhren) „Verlierer“ geben wird.

 

Beim sanierten und erweiterten Verteilnetz zeichnet sich nach dem Diskussionen in Projekt-Wasser-Team folgendes Konzept ab:

 

  1. Für die Versorgung der Bevölkerung im Dorfgebiet verteilt 18 öffentliche Abgabestellen („Wasser-Kioske“). Da jeder Haushalt im Kibakwe im Mittel ca. 6,5 Personen umfasst, werden je Wasserkiosk also jeweils ca. 100 Haushalte versorgt und in der Regel ist der Weg nicht länger als 300 m von einem Haus zum Wasserkiosk. Jeder durchschnittliche 6-Personen-Haushalt soll auch in der Trockenzeit täglich mindestens drei  Buckets gesundes Trinkwasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz (10 Liter pro Person und Tag) bekommen - und dies in einem einfachen Verfahren ohne die heutigen teilweise extrem langen Zeiten, es zu beschaffen. Die Wasserkioske werden privat betrieben und die Betreiber bekommen für die Abrechnung der jeweils über Wasseruhren gemessenen Mengen ein Honorar.

 

  1. 18 Abnahmestellen in den wesentlichen öffentlichen Gebäude: die beiden Ganztagsschulen, die Krankenstation, der Schlachthof, das Wasserkomitee wünscht weiterhin alle Kirchen, die Polizeistation, das ELCT-Gästehaus. Da Wasser in Trinkwasserqualität in Kibakwe auch in absehbarer Zukunft knapp sein wird, dürfen die an das Netz angeschlossenen Gebäude keine „europäischen“ Toiletten mit Wasserspülung einbauen und sollten wassersparende Waschbecken- und Duschköpfe verwenden.

 

  1. Von den ca.25 Privatanschlüssen werden ca. 10 in das System der obigen öffentlichen Abgabestellen integriert (die Privatleute verkaufen das Wasser weiter) und die übrigen ca. 15 haben als Besitzstandswahrung einen Privatanschluss. (Dieses Zugeständnis war nötig, weil es sonst von einflussreichen Leuten im Ort zu große Widerstände gegen die Schaffung der neuen Genossenschaft gegeben hätte.)

 

2. Gesellschaftliche, rechtliche und finanzielle Fragen

 

2.1. Die kirchliche Ebene

 

Das Projekt ist aus einer 25-jährigen Kirchenpartnerschaft zwischen dem Ev. Luth. Kirchenkreis Hannover-Süd und dem Kirchenkreis Wotta (zu dem Kibakwe gehört) hervorgegangen. In diesem Rahmen gibt es schon seit 15 Jahren eine gut funktionierende Partnerschaft zwischen der ev. luth. Kirchengemeinde St. Alexandi in Eldagsen und der Sekundarschule in Kibakwe und es bestehen vertrauensvolle Beziehungen. In Tansania liegt die örtliche Projektleitung beim Superintendenten des Kirchenkreises Wotta, Pastor Alex Msaka, der gleichzeitig Pfarrer in Kibakwe ist. Nach unserem Eindruck ist Pastor Msaka vor Ort gut verankert und bei den Treffen mit der Dorfgemeinschaft bestand völliges Einvernehmen, dass er das Projekt-Wasser-Team (dazu später mehr) leiten soll.

 

Da örtliche Kirchengemeinden und Kirchenkreise in Tansania für solch ein Projekt nicht eigenständig rechtsfähig sind, ist die Diözese der Ev. Luth. Kirche Tansania (ELCT) formal Projektpartner. Der Bischof der Diözese und auch die übrigen Mitarbeiter betonten, dass sie die örtliche Ebene nur beraten und die rechtlich notwendigen Dinge tun wollen – sämtliche inhaltliche Entscheidungen sollen von der örtlichen Ebene bzw. von Pastor Msaka getroffen werden. Die Diözese wird nach Fertigstellung der Brunnen und des Hochbehälters deren Eigentümer. Sie hat die erforderliche Genehmigung für den Brunnen von der Wasserbehörde in Dodoma erhalten.

 

Die Finanzierung der Planung und der Erstinvestitionen für die Brunnen und das Verteilnetz erfolgt vollständig über die Kirchengemeinde Eldagsen. Das hierfür erforderliche Geld stammt aus Spenden der Bevölkerung, Zuschüssen des Landes Niedersachsen und der Bingo-Umweltlotterie und durch die Unterstützung der bei der Schweizer Firma Georg Fischer bestehenden Stiftung „Clean Water“. Die laufende Finanzierung des Betriebes, der Instandhaltung und von Ersatzinvestitionen erfolgt aus den eingenommenen Wassergebühren.

 

Die Kirchengemeinde Eldagsen muss gegenüber den Sponsoren (Einzelspender, Zuschuss-bewilligende Institutionen) gewährleisten, dass die zur Verfügung gestellten Gelder (nach dem Spendenrecht) gemeinnützig bzw. entsprechend den Bewilligungsbescheiden ausgegeben werden. Hierzu wurde mit der Diözese ein Projekt-Partnerschaftsvertrag geschlossen. Aalle Geldflüsse bei den Investitionen fließen direkt von der Kirchengemeinde Eldagsen an die ausführenden Firmen (typischerweise 50% bei Vertragsunterzeichnung und die übrigen 50% nach Nachweis der vertraglich vereinbarten Leistungen). Für die Mitarbeiter der Diözese war es selbstverständlich, dass im Vertrag auch geregelt wird, dass das geförderte Trinkwasser allen Menschen in Kibakwe zur Verfügung steht und die Verteilung über das von der politischen Gemeinde betriebene Verteilnetz erfolgt.

 

2.2. die staatliche und die kommunale Ebene

 

Sowohl der für Kibakwe zuständige Abgeordnete im tansanischen Parlament (und Vize-Minister) als auch der politische Chef des Districts Mpwapwa (zu dem Kibakwe gehört) betonen, dass sie voll hinter dem Projekt stehen.  Basis der (Zitat Mr. Simbachawene „Wenn das Projekt erfolgreich ist, ist dies dann auch mein Erfolg.“). Mit der staatlichen Verwaltung, dem District (bei uns Landkreis) Mpwapwa und der Gemeinde Kibakwe wurde am 19.05.2014 ein detaillierter Partnerschaftsvertrag geschlossen, der alle Rechte und Pflichten regelt (siehe Anlage).

 

2.3. die zuständigen Behörden

 

                        Tansania ist behördlich in sechs Wassergebiete eingeteilt und die für Kibakwe zuständige Wasserbehörde (Wami-Ruvu Basin Office) hat ihren Sitz in Dodoma und ist die Genehmigungsbehörde für Grundwasserentnahmen. Frau Eldar Mcharo, in der Wasserbehörde zuständige Abteilungsleiterin für Grundwasserfragen, setzt sich sehr für das Projekt ein.

 

Die örtliche Wasserbehörde ist bei der für Kibakwe zuständigen Distriktverwaltung in Mpwapwa angesiedelt. Bei den Gesprächen mit der Dorfgemeinschaft gibt es kritische Stimmen über die Wasserbehörde des Bezirks, unabhängig davon ist es sinnvoll und erforderlich, mit der Distrikt-Wasserbehörde gut zusammen zu arbeiten, denn diese nimmt die laufende Überwachung der Trinkwasserqualität wahr und hat in der im Folgenden beschriebenen Struktur der COSWO eine wichtige Funktion. Der District ist daher auch einer der vier Beteiligten des am 19.05.2014 unterschriebenen Partnerschaftsvertrages.

 

2.4. zukünftige Organisations- und Finanzierungsstruktur

 

Dieses Kapitel ist gegenüber den vorherigen überproportional lang, da diese Themen nach Erfahrungen anderer Entwicklungsprojekte für das nachhaltige Funktionieren des Projektes von zentraler Bedeutung sind und die Details sorgfältig geklärt werden müssen.

 

Heute wird die Quelle und das Wasserverteilnetz von einer vom Gemeinderat eingesetztem Wasserkomitee betreut, das seine Aufgabe jedoch nicht gutwahrnimmt. Die Einnahmen aus den Gebühren für die Privatanschlüsse (geschätzt insgesamt 250.000 TSh = 120 Euro pro Monat) fließen in den Gemeindeetat

 

Für den Betrieb der Brunnen, der Quell-Leitung und des Verteilnetzes soll eine neue genossenschaftsähnliche Institution gegründet werden: eine „Community Water and Sanitation Organisation“ (COWSO). Diese in Tansania für kleine Ver- und Entsorgungseinrichtungen geschaffene Rechtskonstruktion bindet alle betroffenen Interessengruppen ein und die formalen Strukturen im tansanischen Wasserrecht detailliert geregelt sind und deshalb nicht neu diskutiert werden müssen. Die COSWO fällt alle Entscheidungen über den Betrieb der Förderanlagen und des Verteilnetzes und hat ein Entscheidungsgremium, in dem die politische Gemeinde, die „Wasserlieferanten“ („Supplierer“); (hier die Gemeinde für die Bergquelle, der District für den „District-Well“ und die luth. Kirche für den „Church-Well) und alle relevanten Wasserabnehmer vertreten sind. 85% der Sitze sind lokal zu besetzen, 15% liegen bei der Distrikt-Wasserbehörde, welche die korrekte Arbeit der COSWO überwacht. Die Mehrheit der Sitze im COSWO-Entscheidungsgremium ist durch Frauen zu besetzen. Die COWSO hat eine vom Aufsichtsgremium kontrollierte Geschäftsführung, die das operative Geschäft abwickelt.

 

Die COWSO-Gründung ist unter Federführung des District in Arbeit: Im September 2014 haben in allen 5 Ortsteilen Versammlungen stattgefunden, in denen jeweils zwei Delegierte (ein Mann und eine Frau) für ein „Steering Committee“ der COWSO gewählt wurden. Dies Steering Commitee soll im November 2014 abschließend von einer Gemeinde-Vollversamm-lung gewählt werden – zur Zeit laufen Diskussionen über die übrige Gremienbesetzung). Bis zum Frühjahr 2015 soll die COWSO-Gründung abgeschlossen sein.

 

Zukünftig entstehen insbesondere durch die Stromkosten, die Instandhaltung und Ersatzinvestitionen der Pumpen, den Betrieb des Netzes und die Geldeinsammlung erheblich höhere Kosten als heute, die aus dem Wasserverkauf zu decken sind. Die genauere Kalkulation der verschiedenen Kostenpositionen (Gehalt für den jetzigen Wassertechniker und evt. zusätzlich eine Person, die die Pumpenanlagen betreut, Instandhaltungsaufwand, Rücklagen für Erneuerungsmaßnahmen) muss im Wasser-Projekt-Team noch diskutiert und festgelegt werden.

 

Nach den Erfahrungen anderer tansanischer Trinkwasserversorgungseinrichtungen ist von Wasserkosten von mindestens einem tansanischen Shilling (TSh) pro Liter Trinkwasser auszugehen, was 20 TSh pro Bucket (20-Liter-Kanister) bzw. 1.800 TSh (= 0,84 Euro) monatlich für eine 6-Personen-Durchschnittsfamilie entspricht, die täglich 3 Buckets bezieht. Nach Einschätzung von tansanischen Gesprächspartnern ist dieser Betrag auch für ärmere Haushalte zumutbar.

 

Alle Wasserabgabestellen werden zukünftig mit Wasseruhren ausgerüstet und hierüber erfolgt die Abrechnung der Trinkwassergebühr. Bei 1 TSh pro Liter Wasser kommen täglich 200.000 TSh (= 93 Euro) und monatlich 6 Mio. TSh (= 2.800 Euro) zusammen. Während diese Beträge für deutsche Verhältnisse überschaubar sind, muss man berücksichtigen, dass die täglich eingenommenen 200.000 TSh dem Monatslohn beispielsweise eines Lehrers entsprechen.

 

Die Gebühreneinziehung von den direkt angeschlossenen öffentlichen Einrichtungen ist strukturell einigermaßen einfach: monatliche Ablesungen der Abnahmemengen; umgehende Zahlung per Überweisung, Sperrung der Lieferung, wenn nicht umgehend gezahlt wird.  Wesentlich schwieriger ist es, die Zahlung der Abnahmemengen der von den Wasser-Kiosken versorgten Privathaushalte zu organisieren. Es bestehen drei wesentliche Probleme:

  1. Der für Instandhaltungen und Ersatzinvestitionen vorgesehene Anteil der Gebühren landet nicht auf einem gesicherten Rücklagekonto, sondern wird für andere Zwecke verwandt (z.B. Krankenhauskosten für ein Familienmitglied, eine in Tansania durchaus übliche Vorgehensweise).
  2. Wasserabnehmer zahlen nicht, weil vorübergehend kein Geld vorhanden ist und man einen Kredit z.B. bis zur nächsten Ernte braucht.
  3. Da es in Kibakwe Zurzeit noch keine Bank gibt (diese ist geplant), besteht die Gefahr, dass eingesammelte Gelder geraubt werden.

 

Außerdem besteht insgesamt die Gefahr, dass die Stromgebühren nicht rechtzeitig an den Stromversorger überwiesen werden (In Tansania wird Strom vom öffentlichen Versorger nur gegen Vorkasse geliefert und die Wasserversorgung dadurch zusammenbricht.

 

Um obige Probleme zu lösen, ist ein für Tansania einmaliges Modellprojekt in der Diskussion, das aus folgenden Bausteinen besteht, die jedoch noch ausführlich im Wasser-Projekt-Team diskutiert werden müssen:

 

Unsere beiden Consultant Michael Onesimo und Hidde Bekaan wollen ein Konzept erarbeiten, wie die für die Wasserkioske zuständige Person die Geldeinziehung zusammen mit den Familien im jeweiligen Teil des Dorfes vollständig über das in Tansania schon heute weit verbreitete Mobilphone-Banksystem abgewickelt werden kann (fast jede Familie hat mindestens ein Handy). Daneben soll ein Konzept erarbeitet werden, wie Familien ihre Wassergebühren bis zum Eintreffen von nächsten Einnahmen (Ernte, Löhne) durch einen Mikrokredit vorfinanzieren können.

 

2.5. Bildungsarbeit

 

Da das Verständnis in der Bevölkerung in Wasserdingen anscheinend gering ist, kommt der Bildungsarbeit eine wesentliche Bedeutung zu und diese wird von unserem Consultant Onesimo koordiniert. Bei den Versammlungen im September 2014 in den Ortsteilen wurde über einen pflegsamen Umgang mit dem Wasser informiert. Zurzeit ist ein Flyer für alle Haushalte in Kibakwe über das Wasserprojekt in Arbeit und eine Schulung für „Wasserhandwerker“, die zukünftig in der COWSO das Netz betreuen, ist geplant.

 

3. Meilensteine des Projektes

 

Sommer 2012           

  • Bei einem Partnerschaftsbesuch der Kirchengemeinden erste Überlegungen zu dem Projekt

 

Frühjahr 2013           

  • Zwei tansanische Fachleute erstellen Machbarkeitsstudie

 

Herbst 2013                                   

  • Die Finanzierung steht

                                   

Oktober 2013           

  • Erster Vor-Ort-Arbeitseinsatz eines Teams aus Deutschland
  • Hydrogeologisches Gutachten zur Bestimmung der Bohrstandorte

 

Mai 2014                       

  • Zweiter Vor-Ort-Arbeitseinsatz
  • Bestandsaufnahme des Verteilnetzes
  • Erfolgreiche Durchführung einer Brunnenbohrung auf 88 m Tiefe

 

Sommer 2014           

  • Ausschreibung der Infrastruktur-Bauarbeiten
  • Start der Genossenschaftsgründung

 

Oktober 2014           

  • Dritter Vor-Ort-Arbeitseinsatz
  • Einbau von Wasseruhren in die Hauptleitungen; Eine Firma aus Dodoma beginnt mit dem Bau der Brunnenhäuser, eines 45m³- Zwischenspeichers und der Verlegung von ca. 1.200 m Leitungen zum Anschluss der Brunnen an das vorhandene Verteilnetz;

 

Die nächsten Schritte:

 

  • Auswahl und Einbau der Pumpen
  • Klärung des dafür benötigten Stromanschlusses (das
  • Angebot des staatlichen Monopolunternehmens ist unakzeptabel teuer)
  • Im Mai 2015 vierter Vor-Ort-Arbeitseinsatz zur Klärung der Optimierung des Verteilnetzes und der Wasserverteilstellen
  • Sommer/Herbst 2015: Bauarbeiten am Verteilnetz und an dem Ausgabestellen; Arbeitsaufnahme der Genossenschaft
  • Oktober 2015: fünfter Vor-Ort-Arbeitseinsatz; wenn alles optimal läuft offizieller Abschluss des Projektes.

 

Auf dieser Basis hat unser Unterstützer Robert Kamolz mit dem System QGIS eine Arbeitsplattform für eine elektronische Netzplanung erstellt.

 

 

 

[1] Wenn in diesem Text von „Dorfgemeinschaft“ gesprochen wird, so bezieht sich das auf ausführliche Gesprächsrunden  mit ca. 20 Personen aus Kibakwe (Gemeindeführung, Kirchenvorstand, Mitglieder des örtlichen Wasserkomitees, wichtige Multiplikatoren wie die Leiter der beiden Schulen)

Über www.openstreetmap.org und das App Osmand+ erzeugte digitale Karte von Kibakwe

(erarbeitet von Dr. h.c. David Long BSc (Physics) | Technical Documentation & Consulting| http://www.davidlong.de. Hiermit wurde das vorhandene Verteilnetz kartographiert.

Auf dieser Basis hat unser Unterstützer Robert Kamolz mit dem System QGIS eine Arbeitsplattform für eine elektronische Netzplanung erstellt.

Am 14.05.2014 stieß die erste Bohrung auf Wasser!
Unterschrift unter den Kooperationsvertrag
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© Hans Mönninghoff